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Piqueteros - The Argentina Conspiration



Dieses Buch habe ich vor "Todesfrost" angefangen, aber über den Epilog bin ich nicht hinausgekommen, nichtmal nachdem "Todesfrost" bereits fertig gedruckt(!) war. Das Thema ist ganz interessant, eine Mischung aus Fiktion und realen Ereignissen.

Diesmal keine Geschichte in den USA mit einem Amerikaner als Protagonist, sondern in Argentinien - mit einem waschechten Finnen. Seinen Namen muss ich mir noch überlegen, aber daran kann er sich zunächst gar nicht erinnern. Aber man kann sich schon auf ein paar Episoden in Finnland freuen Wink

Ich hab das Buch mittlerweile bei Amazon angemeldet, wie ich gesehen habe, muss es für Amazon Select exlusiv dort vertrieben werden und darf nirgens sonst digital verbreitet werden (auch nicht kostenlos).

Also leider gibts hier kein Link mehr zum PDF, sondern nur noch zum Amazon eBook:

"Piqueteros" [71.585 Wörter]




Er taumelte die Straße hinab, während er nach Luft schnappte. Die Mittagssonne brannte unerbittlich auf seinen Kopf und Schweiß lief ihm über die Stirn. Die Schmerzen in seiner Brust waren unerträglich und es fiel ihm schwer einen klaren Gedanken zu fassen.
Er hatte sie abgehängt, aber es würde nicht lange dauern bis sie ihn wieder finden würden. Bei seiner Geschwindigkeit würde er nicht sonderlich weit kommen. Er hielt an und lehnte sich gegen eine Hauswand um kurz zu verschnaufen. Langsam senkte er seinen Kopf und schaute an sich herunter.
Seinen rechten Arm presste er an seinen Bauch, eine Kugel hatte ihn dort getroffen und steckte vermutlich noch irgendwo in seinem Körper, zwischen seinen Fingern sickerte Blut hindurch und der ganze Arm war blutüberströmt. Er hatte auch einen Durchschoss direkt unterhalb der Schulter, der zwar nicht lebensbedrohlich war und auch nicht stark blutete, aber dennoch ungeheuer schmerzte und ihn daran hinderte, klar zu denken und damit seine Flucht erschwerte.
Langsam wurde ihm schwindlig vor seinen Augen, der Blutverlust machte ihm zu schaffen und vermutlich würde er nicht mehr weit kommen bis sie ihn wieder eingeholt hatten.

   "Auxilio", stammelte er und schaute die vorbeigehenden Leute hilflos an. Keiner blieb stehen oder erwiderte seinen Blick, sie liefen alle an ihm vorbei, als sei nichts.

Und selbst wenn jemand stehen geblieben wäre, wie hätte ihm jetzt noch jemand helfen können. Juha überlegte kurz und schloss die Augen.
Es war aussichtslos. Er war schwer verwundet und litt unter großen Blutverlust, alleine würde er es nirgendwohin schaffen, das war ihm klar. Aber selbst wenn ihm jemand helfen und bis ins Krankenhaus bringen würde und seine Wunden versorgt wären – sie würden ihn trotzdem aufspüren und töten. Er machte sich keine Illusionen darüber, dass er in Sicherheit wäre – selbst wenn es ihm gelingen würde das Land zu verlassen und nach Finnland zurückzukehren. Sie waren zu mächtig und er hatte zu wichtige und brisante Informationen.

Er fing an, leise vor sich hinzulachen über seine Naivität. Er dachte schon darüber nach was er machen würde, wenn er das Land verlassen hatte – dabei hatte er keinerlei Chance jemals überhaupt aus dem Viertel herauszukommen. Es war keine drei Minuten her, seit sie ihm noch an seinen Fersen hafteten. Und er wusste nicht einmal wie viele Verfolger hinter ihm her waren – vielleicht hatte er ja gar nicht alle abgeschüttelt.
Langsam lehnte er sich wieder nach vorne und stieß sich von der Wand ab. Er musste weiter, er musste es wenigstens versuchen. Wieder taumelte er die Straße hinab.

Es roch nach Müll und Dreck, die Hitze erzeugte daraus einen merkwürdigen Geruch. Es war nicht wirklich Gestank, aber die Luft wirkte abgestanden und faul, Schweiß hing in der Luft. Aber das alles schien so typisch für das Viertel zu sein wie der Duft von Rosenblüten in einer Gärtnerei. Über der ganzen Umgebung hing eine dicke Wolke aus dieser alten und faulen Luft.
Er taumelte weiter, immer wieder stieß er andere Leute an, er musste durch die Menschenmassen hindurch. Mittlerweile war ihm alles egal, er wollte nur weg. Sie waren hinter ihm, irgendwo suchten sie fieberhaft nach seiner Gestalt.
Sollte er in eine Seitengasse einbiegen? Sie vermuteten ihn zwar auf der Hauptstraße, aber die Menschenmassen waren ein gewisser Schutz, in einer Seitengasse war es nicht halb so belebt wie hier. Wäre er da also wirklich sicherer?
Juha atmete tief ein.
    "Verdammt", flüsterte er. Warum geriet immer er in solche Situationen. Es war schon öfters brenzlig gewesen für ihn, aber so tief steckte er noch nie drin. Warum konnte er es nicht sein lassen? Er suchte geradezu die Gefahr.
"Du hast dein verdammtes Leben verspielt, Juha", sagte er zu sich. "Dein verdammtes, dreckiges Leben"
Keiner beachtete ihn. Er lief blutverschmiert durch die Straßen dieses Viertels in Catamarca, aber es schien keinen zu stören. Sie hatten ihre eigenen Probleme. Hier konnte er wirklich keine Hilfe erwarten. Noch dazu als Fremder, er war ein Eindringling und auch wenn die Leute wüssten, was er wusste, würden sie wohl aus Prinzip wegschauen.

Die Sonne blendete ihn. Doch da war noch etwas Anderes, irgendetwas Metallisches. Ein Blitzen und Funkeln, irgendwo ganz in der Nähe. Juha nahm Umrisse wahr. Plötzlich bemerkte er den großen Mann etwa zehn Meter von ihm entfernt. Er überragte die anderen um fast zwei Köpfe.
Seine polierte Glatze glänzte im grellen Sonnenlicht und die aufblitzende Pistole spiegelte sich in den schwarzen Gläsern seiner Sonnenbrille. Er starrte Juha für einige Sekunden ausdruckslos an, dann fing er an hämisch zu grinsen und seine leicht gelblichen Zähne kamen zum Vorschein. Er sah aus wie ein schlecht bezahlter Handlanger von ihnen. Juha meinte den Mann schon vor ein paar Tagen irgendwo gesehen zu haben. Doch es spielte jetzt auch keine Rolle mehr und er hatte nicht viel Zeit darüber nachzudenken.
Sollte er wegrennen? Würde es etwas nützen oder seinen Tod nicht doch nur um wenige Minuten hinauszögern?

Der Mann hob seine Pistole und drückte ab. Die umherstehenden Leute liefen panikartig auseinander, in wenigen Sekunden war nur noch der reglose Körper von Juha auf der Straße und der Mann mit der Sonnenbrille. Langsam schritt er auf Juha zu und bückte sich zu ihm herunter. Er spürte keinen Puls und Juha schien auch nicht mehr zu atmen. Er konnte gute zielen und hatte Juha direkt zwischen die Augen getroffen. Er stand wieder auf und ging drei Schritte zurück.

Kein Risiko eingehen, hatten sie gesagt. Er hob noch einmal seine Pistole und gab fünf weitere Schüsse ab um sicher zu gehen. Dann drehte er sich um und verschwand in der nächsten Seitengasse. Juha war tot und sein Wissen nahm er mit ins Grab.

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