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Todesfrost

Mein fünftes Buch. Oder besser gesagt, die fünfte Buchidee.



Ist ein ganz interessantes Thema, mal eine Story komplett aus der Sicht des "Bösen" zu schreiben (bzw. geschrieben zu haben). Und auch wenn das Wort "Auftragskiller" so böse klingt, geht es nicht allein um Mord und Totschlag .

Update (22. August 2009): Ich bin nun endlich fertig geworden damit und stell hier nun die vorläufige Fassung rein. Nur weise ich darauf hin, davon höchstens die Hälfte bisher korrigiert ist und auf meinen Primärlektor noch eine Menge Arbeit zukommt. Aber trotzdem viel Spaß beim Lesen (und falls jemand was auffällt, keine falsche Scheu vor dem Kontaktformular Wink)

Update (01. August 2012): fast 3 Jahre nach "Manuskriptfertigstellung" habe ich das ganze nun bei Amazon reingestellt als Kindle eBook:
"Todesfrost" (Kindle Edition) [81.930 Wörter]

Und hier einige alte Zitate als Vorgeschmack (falls die 4MB etwas zu gewagt erscheinen)


Ich seufzte. Es war ein wenig kühl und leichter Dunst hing in der Luft. Die mittlerweile tiefstehende Sonne wurde durch die umliegenden Bäume verdeckt.
Es war wohl teilweise auch die Umgebung, die mich leicht frösteln ließ. Keiner besucht gerne einen Friedhof.
Der Kies knirschte unter meinen Schuhen, während ich vor Jordons Grab langsam in die Knie ging. Ich stellte das Grablicht vor dem Grabstein ab und kniete einige Zeit davor. Ich wusste nicht recht, was genau ich machen sollte. Der Unbekannte sagte mir nur, dass ich sein Grab besuchen sollte. Ich atmete tief ein, während ich seinen Grabstein betrachtete. Es war ein unregelmäßiger Grabstein aus schwarzem Marmor. Die Vorder- und Rückseite waren poliert und glatt geschliffen, während die Seiten unregelmäßig belassen wurden. In der Mitte stand in goldenen Buchstaben der Name des Toten, Fred Jordon.
Auf dem F war eine goldene Taube eingraviert, die sich gerade bereit machte, loszufliegen. Auf der rechten Ecke des Grabsteins saß eine lebensgroße Taube aus Messing, die jeden Besucher des Grabes anschaute. Ihr Kopf war leicht zur Seite geneigt, als wäre sie unschlüssig darüber, wie sie den Besucher beurteilen solle.
Unter dem Namen und dem Geburts- und Sterbedatum war eine ovales Bronzeornament angebracht, in das das Gesicht von Jordon eingebrannt war. Das Ornament war schon etwas verblasst, aber das Gesicht war noch deutlich erkennbar. Jordon lächelte jeden an, der vor dem Grab stehen blieb oder auch nur hinüberging. Das Lächeln, der Gesichtsausdruck, ja das ganze Gesicht hatte etwas Magisches. Das Lächeln war ansteckend und vermittelte ein Gefühl der Zufriedenheit.
Die Messingtaube auf dem Grabstein und die eingravierte Taube über Jordons Namen waren nicht nur belanglose Schmuckstücke. Jordon hatte es immer wieder geschafft, die Leute nur seiner Ausstrahlung und Aura zu besänftigen und zu erfreuen. In seinem Leben wollte er immer nur Frieden erreichen und die Situation verbessern.

An der Hauswand über dem Eingang leuchtete ein kleines Schild, „Budders“. Der Schriftzug leuchtete in grell-grünem Neonlicht und erschien nicht besonders einladend. Hier kam keiner her, um romantische Stunden zu verbringen oder zu träumen. Genauso wie die Bar und ihre Umgebung die besseren Zeiten hinter sich gelassen hatte, war es schon eine Weile her, dass die Stammgäste von „Budders“ von guten Zeiten reden konnten. Es schien den Barbesitzer hinter der Theke zu überraschen, ein neues Gesicht zu sehen. Es gab wohl nicht viele Kunden außer denen, die regelmäßig kamen um sich über ihre Sorgen hinwegzutrösten.
An der Decke hing nur eine einsame 60-Watt-Birne die den ganzen Raum erhellen sollte. Außer dem spärlichen Licht an der Theke, das die harten Getränke in ein fades Licht tauchte, war die Bar relativ dunkel, was wohl der Stimmung der meisten Anwesenden entsprach. Auf den wenigen Tischen standen Kerzenhalter, die aber auch seit Jahren nicht benutzt zu sein schienen, die Kerzen darin waren fast bis auf den Docht abgebrannt und eingestaubt. Abgesehen davon, dass schon die Bar von außen nicht sonderlich einladend aussah, schien der Besitzer weder neue Gäste zu erwarten, noch sonderlich viel Wert darauf zu legen. Jeden normalen Menschen, der es trotz dem alles andere als einladenden Eindruck von außen in die Bar wagen würde, wäre spätestens durch den Anblick abgeschreckt worden, der sich ihm von innen bot. Die trübe Stimmung und die dunkle, fast schon gruselige Atmosphäre, wurden nur noch getoppt von den Tischen und dem Boden, die beide Wasser und Putzlappen seit Monaten nicht mehr aus der Nähe gesehen haben. An einigen Tischen klebte sogar noch Blut, das wohl von Schlägereien herrührte. Weder den Barbesitzer noch die Gäste schien das zu stören.
Ich wusste nicht, weswegen ich herkam. Eine Bar wie „Budders“ gab es in jeder Stadt und irgendwie zogen sie mich an, obwohl ich mich dort genauso unwohl fühlte wie ein Demokrat im Süden von Texas.

Mir wurde langsam schwarz vor Augen und ich merkte, dass ich nicht mehr gegen die Erschöpfung und Müdigkeit ankämpfen konnte. Meine Beine gaben langsam nach und ich konnte immer schwerer atmen. Mein Hals schmerzte jedesmal, wenn ich einatmete und die eiskalte Luft in meine Lungen strömte. Ich weiß nur noch, dass ich gerade noch die Landstraße erreicht hatte und in der Mitte der Straße stand. Mit letzter Kraft ging ich von der Straße herunter, damit mich wenigstens niemand überfahren würde, sollte tatsächlich ein Auto vorbeikommen. Ich stolperte über einen gefrorenen Maulwurfshügel am Straßenrand und fiel auf die eiskalte Erde.

Mein letzter Gedanke war nur noch, dass der alte Mann Recht gehabt hatte. Er hatte mit allem Recht gehabt. Ich wusste schon die ganze Zeit, dass ich kein Teil der Gesellschaft mehr war, aber zumindest konnte ich mir immer einreden, dass ich trotz allem immer noch ein Delta Operator war und ein Elitekämpfer, der für das amerikanische Volk gekämpft hatte. Doch die letzten Wochen hatten mir gezeigt, dass ich auch das nicht mehr war. Der alte Mann bezeichnete mich als Abschaum, ein einfacher und unbedeutender Handlanger. Ich war kein Elitesoldat mehr, ich war kein Auftragskiller, kein Bürger dieses Staates. Ich war gar nichts mehr. Und das war noch schlimmer, als mit einem schlechten Gewissen zu leben. Meine ganze Existenz beschränkte sich nur noch aufs Atmen und ich war mir sicher, wenn ich die Augen schloss und meinen letzten Atemzug machte, würde ich von der Welt verschwinden, still und heimlich.
Die Erde war kalt und hart und ich hatte das Gefühl, meine Lungen würden einfrieren. Ich spürte, wie die Kälte sich in meinem ganzen Körper ausbreitete und bis zu meinen Knochen vordrang. Ich sah meine blutigen Finger, die sich langsam bläulich färbten. Mein Herz schlug immer langsamer und meine Augenlider immer schwerer. Ich schloss die Augen und machte einen letzten, schmerzhaften Atemzug und hatte das Gefühl, meine Lungen wären mit einem Meer von Nadeln gefüllt, die sich in meine Brust stachen. Ich hatte mir nie Gedanken gemacht, wie mein Tod wohl aussehen würde. Aber in diesem Moment war ich mir bewusst, dass das wohl der Tod war, den ich verdient hatte. Frostig und eiskalt.

"Hallo Carl,

wie soll ich so einen Brief beginnen? Was gäbe es zu sagen, außer der Wahrheit? Soll ich irgendwelche Begrüßungsfloskeln benutzen oder Sprichwörter zitieren, nur um einen Einstieg zu finden?
Ich sehe darin eigentlich keinen Sinn, aber selbst beim Inhalt dieses Briefes – oder gerade dafür – ist es eigentlich unpassend, direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Also schön, lass uns mit einer kleinen Weisheit beginnen von Friedrich Oetinger:

Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann;
gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann;
und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich schätze uns beide so ein, dass wir diese Unterscheidung durchaus machen können. Aber dennoch stoßen wir manchmal an die Grenzen. Tagtäglich. Nur müssen wir sehen, dass die Überschreitungen dieser Grenzen nicht zu schwerwiegend sind.
Ich bin weiß Gott kein Moralapostel, ich hab genug eigene Leichen im Keller. Aber du, Carl, du bist ein ganz anderes Kaliber. Wir beide wissen, dass du Recht von Unrecht unterscheiden kannst. Und ganz besonders du weißt, dass du trotz dieser Unterscheidung die Grenzen allzu oft überschreitest. Bisher bist du ungestraft davongekommen. Du warst gut, du hast deine Spuren immer verwischt und keiner konnte dir etwas nachweisen.

Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden und über Gerechtigkeit philosophieren. Ein einziger Satz sollte alles ausdrücken, was ich mit diesem Brief zu erreichen versuchen: Ich weiß es. Ich weiß alles. Ich kenne dein Geheimnis.
Du fragst dich, wer ich bin, du wirst dich fragen, ob ich tatsächlich alles über dich weiß. Und ich kann dir nur sagen, ich weiß mehr als die meisten anderen, höchstens du selbst wirst dein Leben und deine Taten besser kennen und in Erinnerung haben.
Frag dich ruhig, wer ich sein sollte, aber eines kann ich dir garantieren: Selbst wenn du es wüsstest, änderte das nichts. Du wirst nicht länger dein Leben so weiter führen können wie bisher, dafür sorge ich. Und auch falls du noch die schwache Hoffnung haben solltest, dass ich gar nicht dasselbe meine, wie du befürchtest – sei dir gewiss, dass deine Hoffnung umsonst ist. Wenn ich von deinem Geheimnis rede, meine ich nicht ein ungeahndetes Falschparken in New York oder ein überqueren einer roten Ampel in Boston. Nein, du weißt, wovon ich rede.

Ich werde mich melden in den nächsten Tagen. Ich bin fair – auch wenn dazu eigentlich keine Veranlassung besteht. Du wirst einige Tage Zeit haben, darüber nachzudenken.
Aber behalten folgendes im Hinterkopf: Du kannst nicht fliehen. Ich muss dich nicht finden, weil ich dich gar nicht erst aus den Augen verlieren werde. Du stehst unter Beobachtung. Ich bin bereits über deinen nächsten Schritt informiert, bevor du ihn überhaupt erst in Erwägung gezogen hast. Stell mich nicht auf die Probe, das könnte böse für dich enden.

Wir hören voneinander,
Ecoti Niscina"

Ich weiß nicht, wie lange sie mich nachdenken ließen in meiner Zelle. Vielleicht waren es zwei Stunden, es hätten aber auch zehn sein können. Die Tür ging auf und drei Männer kamen herein, alle mit schwarzen Masken über dem Kopf. Ich war mir schon bewusst darüber, dass sie mich foltern würden.
Sie ließen mich etwa eine Stunde mit brennenden Gliedmaßen und einem Pulsschlag jenseits der 200 Schläge pro Minute in meiner Zelle liegen, dann brauchten sie mich wieder zu dem Mann, dem ich aber wieder nichts Neues erzählen konnte. Ich hatte noch gehofft, wenn ich sein Gesicht sah, würde mir ein Licht aufgehen und ich würde ihn wiedererkennen, aber sein Gesicht kam mir nicht im Geringsten bekannt vor, für mich war er nur ein alter, grauhaariger Mann. Er sah harmlos aus, klein und gebrechlich. Vereinzelt waren in seinen Haaren noch dunkelgraue Strähnen zu sehen, die noch nicht ganz grau geworden waren. Ich schätzte ihn auf etwa 60 Jahre. Sonderlich sportlich und kräftig sah er nicht aus. Ich sah, dass in dem perfekten maßgeschneiderten Seiden-Anzug ein untersetzter und abgemagerter Körper steckte. Er runzelte die blasse Stirn, als er mich ansah. Seine blau schimmernden Augen sahen genauso harmlos wie geheimnisvoll aus. Im Grunde genommen war sein Erscheinungsbild sympathisch. Oder viel eher – mitleiderregend. Wenn man ihn ansah, hatte man das Gefühl, man müsste diese zerbrechliche Gestalt beschützen. Wäre ich ihm auf der Straße begegnet, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass er ein Mafiaboss wäre, der Leute foltern lässt. Ich sehe, wenn in den Augen einer Person irgendetwas Böses und Hinterhältiges funkelt, doch in diesen blauen Augen konnte ich nichts erkennen. Seine Haut war blass und ausgebleicht von vielen Jahren, in denen er wohl nicht sonderlich oft sein Haus verlassen hatte und sein Haar war fast schon schneeweiß geworden. Ich stellte ihn mir vor, wie er mal braungebrannt gewesen sein musste und kastanienbraunes Haar gehabt hatte, das voll und kräftig seinen Kopf bedeckte, doch diese Tage schienen schon lange vorbei zu sein. Sein Körper war farblos – bis auf die blauen Augen, die selbst im faden Licht der Neonlampe schimmerten wie ein strahlend blauer Himmel. Er konnte nicht böse sein. Ich ertappte mich selbst dabei, wie ich ihn fast anlächelte.
Er spritzte mir höchstpersönlich Pentothal und meinte zu mir, ich würde schon reden. Er hatte mir eine viel zu hohe Dosis verabreicht, ich spürte, wie mein Herzschlag sich erhöhte und ich langsam keine Luft mehr bekam. Ich riss die Augen auf und starrte den alten Mann an, bevor alles immer verschwommener wurde und mir schwarz vor Augen wurde.

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